Ihr erster Sitz im Vorstand: Ein Leitfaden für Führungskräfte in leitenden Positionen

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Die Berufung in einen Verwaltungsrat geschieht nicht zufällig. Sie erfolgt, weil Sie sich bewusst positionieren, die richtigen Beziehungen aufbauen und ein Governance-Konzept präsentieren, das Verwaltungsräte einfach nicht ignorieren können. Wenn Sie als Führungskraft in leitender Position Ihr erstes Amt als nicht geschäftsführendes Verwaltungsratsmitglied (NED) anstreben, ist dies Ihr praktischer Leitfaden.

Die Marktrealität, die Sie als Erstes verstehen müssen

Die meisten Sitze in Aufsichtsräten werden nie öffentlich ausgeschrieben. Je nach Markt werden etwa zwei Drittel der Ernennungen von nicht geschäftsführenden Aufsichtsratsmitgliedern direkt oder indirekt über persönliche Kontakte vermittelt, während nur ein kleiner Teil über öffentliche Ausschreibungen oder formelle Suchverfahren zustande kommt. Das sollte Ihre Denkweise sofort neu ausrichten: Es handelt sich hierbei nicht um eine herkömmliche Stellensuche. Es ist vielmehr eine Kampagne zur Positionierung und zum Aufbau von Beziehungen.

Eine typische Suche nach einem unabhängigen Verwaltungsratsmitglied dauert drei bis vier Monate vom ersten Auftrag bis zum Abschluss eines unterzeichneten Vertrags; in stark regulierten Branchen oft sogar noch länger. Während dieser Zeit prüfen Personalberatungsunternehmen Dutzende potenzieller Kandidaten, bevor sie eine Auswahlliste mit sechs bis acht Namen für den Nominierungsausschuss erstellen. Ihr Ziel ist einfach: Sie möchten zu den Namen gehören, die bereits vor Beginn der Suche vorgeschlagen werden, und nicht zu denen, die ganz am Ende einer Datenbankabfrage auftauchen.

Schritt 1: Erstellen Sie ein boardspezifisches Wertversprechen

Ihr Lebenslauf und Ihr LinkedIn-Profil dienen dazu, eine Anstellung zu finden. Eine Kandidatur für einen Verwaltungsrat ist etwas anderes. Verwaltungsräte stellen Sie nicht ein, um irgendetwas zu leiten. Sie dienen dazu, Perspektiven einzubringen, Urteilsvermögen zu zeigen und Aufsicht zu üben – und genau das ist es, was sie von Ihnen erwarten. Beginnen Sie damit, Ihren Mehrwert als Vorstandsmitglied in einem klaren Satz anhand von drei Dimensionen zu definieren:

  • Branchenkenntnis: Welche Branchen kennen Sie gut genug, um eine Strategie von außen zu hinterfragen?
  • Fachliche Kompetenz: Worin liegt Ihre besondere Stärke? Digitale Transformation, Finanzrisiken, internationale Expansion, ESG, M&A, Restrukturierung?
  • Bilanz im Bereich der Aufsicht: In welchen Bereichen haben Sie eher Leitlinien festgelegt, anstatt Maßnahmen umzusetzen? Haben Sie Risikorichtlinien erstellt, den Vorsitz in Ausschüssen geführt oder Einfluss auf Interessengruppen außerhalb Ihres direkten Zuständigkeitsbereichs genommen?

Wenn Ihr beruflicher Hintergrund die Bereiche Strategie und operative Geschäftstätigkeit, Digitalisierung oder Technologie, Finanzkompetenz und Risikomanagement umfasst, stellen Sie dies in den Mittelpunkt Ihrer Darstellung. Vorstände suchen aktiv nach genau diesen Kompetenzen, insbesondere angesichts von Umbrüchen, regulatorischem Druck und der genauen Prüfung durch Investoren.

Fragen Sie sich selbst: Wenn der Vorsitzende Sie zu Beginn einer Vorstandssitzung in einem Satz vorstellen würde, was würden Sie sich wünschen, dass er sagt? Dieser Satz ist der Kern Ihres Wertversprechens.

Schritt 2: Bauen Sie Ihre Qualifikationen im Bereich der Unternehmensführung aus

Eine erfolgreiche Karriere in leitender Position ist unerlässlich, reicht jedoch allein nicht mehr aus. Vorstände erwarten von potenziellen nicht geschäftsführenden Vorstandsmitgliedern, dass sie die Treuepflicht, die Ausschussstrukturen sowie den Unterschied zwischen „im Unternehmen tätig sein“ und „für das Unternehmen tätig sein“ verstehen.

Hier sind einige praktische Tipps, wie Sie Ihre Glaubwürdigkeit stärken können:

Absolvieren Sie ein formelles NED-Programm

Renommierte Einrichtungen wie Cranfield, INSEAD, das Institute of Directors oder die ES-HSG bieten strukturierte Lehrgänge zur Vorbereitung auf die Arbeit im Verwaltungsrat an, die sich mit den Grundlagen der Unternehmensführung, der Arbeit in Ausschüssen und aktuellen Best Practices befassen.

Werden Sie Mitglied in einer gemeinnützigen Organisation oder einem Beirat

Viele Unternehmensvorstände haben ihre Karriere im gemeinnützigen Sektor begonnen. Dort herrscht ein echtes Führungsumfeld, in dem man lernen kann, wie Vorstände tatsächlich arbeiten, und sich einen nachweisbaren Leistungsnachweis aufbauen kann.

Erfahren Sie, wie Ausschüsse tatsächlich funktionieren

Ein Großteil der Arbeit der nicht geschäftsführenden Vorstandsmitglieder findet in den Prüfungs-, Vergütungs- und Nominierungsausschüssen statt. Machen Sie sich mit deren Zweck, Arbeitsrhythmus sowie der Art und Weise vertraut, wie Entscheidungen vorbereitet und hinterfragt werden.

Viele führende Berater für Aufsichtsratsangelegenheiten sagen ganz klar: Es kann mehrere Jahre gezielter Bemühungen erfordern, bis Sie Ihr erstes Amt als nicht geschäftsführendes Aufsichtsratsmitglied antreten können. Deshalb ist es so wichtig, bereits vor dem Ausscheiden aus Ihrer Führungsposition damit zu beginnen. Solange Sie noch in dieser Position tätig sind, sind Ihr Einfluss, Ihr Netzwerk und Ihre Marktbedeutung auf ihrem Höhepunkt. Nutzen Sie diese Gelegenheit.

Schritt 3: Drei Netzwerkkreise abbilden und aktivieren

Die Besetzung von Vorstandspositionen beruht in hohem Maße auf Vertrauen. Ernennungen erfolgen oft durch Personen, die Sie in der Praxis erlebt haben und bereit sind, ihren Ruf für Sie aufs Spiel zu setzen.

Stellen Sie sich Ihr Netzwerk als drei konzentrische Kreise vor:

Spezialisierte Personalberatungen für externe Verwaltungsratsmitglieder

In Deutschland betreiben Unternehmen wie Odgers Berndtson, Spencer Stuart, Egon Zehnder, Russell Reynolds und Heidrick & Struggles spezielle Geschäftsbereiche für die Besetzung von Vorständen. Sie sollten den Partnern in diesen Teams bereits bekannt sein, bevor ein konkretes Mandat ansteht – und nicht erst danach.

Vorstandsmitglieder aus den eigenen Reihen und Alumni-Netzwerke

Amtierende nicht geschäftsführende Vorstandsmitglieder, Vorsitzende und Führungskräfte, die bereits in Vorständen tätig sind, sind Ihre stärksten Fürsprecher. Empfehlungen durch Kollegen haben bei Nominierungsausschüssen ein überproportionales Gewicht, da sie auf konkreten Erfahrungen mit Ihrem Führungsstil beruhen.

Bewährte berufliche Kontakte

Ihre Wirtschaftsprüfer, Rechtsberater, Investoren und Kontakte aus dem Private-Equity-Bereich erfahren oft frühzeitig von anstehenden Veränderungen im Vorstand. Sie können Sie diskret auf Chancen hinweisen oder Sie zum richtigen Zeitpunkt vorstellen.

Setzen Sie sich ein einfaches, messbares Ziel: Streben Sie im ersten Jahr vier aussagekräftige Gespräche zum Thema Vorstand pro Monat an. Nicht jedes Gespräch wird zu einem Ergebnis führen. Es geht darum, regelmäßig in den richtigen Kreisen präsent zu sein, damit Ihr Name bereits im Vordergrund steht, sobald eine freie Stelle im Vorstand frei wird.

Schritt 4: Führen Sie eine strukturierte Suche durch – keine passive

Gehen Sie bei Ihrer Suche nach einem Vorstandsposten mit derselben Disziplin vor, die Sie auch bei der Geschäftsentwicklung oder der Betreuung von Großkunden an den Tag legen würden. Auf einen Anruf zu warten, ist keine Strategie.

Einige Möglichkeiten, um dem Ganzen eine Struktur zu verleihen:

Chancen systematisch nachverfolgen

Verwenden Sie ein einfaches CRM-System, eine Tabellenkalkulation oder ein Tracking-Tool, um Gespräche, Zielunternehmen und anstehende Mandate zu erfassen. Kombinieren Sie spezialisierte Plattformen für Verwaltungsratsmitglieder (wie beispielsweise BoardProspects, Nurole, Non-Exec Directors oder Veblen, je nach Ihrer Region) mit direkter Kontaktaufnahme und Empfehlungen.

Alle 90 Tage nachfassen

Bleiben Sie mit wichtigen Ansprechpartnern in Kontakt, indem Sie einen Mehrwert bieten, und nicht, indem Sie sich einfach nur „melden“. Teilen Sie eine Erkenntnis, einen relevanten Artikel, eine Marktbeobachtung oder ein Risiko auf Vorstandsebene, das Ihnen derzeit auffällt. Sie möchten dafür in Erinnerung bleiben, wie Sie denken – und nicht allein für Ihre Beharrlichkeit.

Bereiten Sie sich frühzeitig auf den Prozess vor

Wenn ein Vorstand Interesse bekundet, hat er oft bereits informelle Hintergrundrecherchen durchgeführt. Zu den Gesprächspartnern gehören in der Regel der Vorstandsvorsitzende, der Geschäftsführer sowie ein oder zwei amtierende nicht geschäftsführende Vorstandsmitglieder. Bereiten Sie einige Beispiele vor, die eine Herausforderung, die ergriffenen Maßnahmen und das erzielte Ergebnis beschreiben und dabei Ihr Urteilsvermögen in Führungsfragen, Ihre Unabhängigkeit im Denken sowie Ihre Fähigkeit, konstruktiv zu widersprechen, verdeutlichen.

Betrachten Sie jeden Schritt als Kontaktpunkt im Rahmen einer langfristigen Kampagne und nicht als einmalige Bewerbung.

Schritt 5: Beginnen Sie mit den richtigen Platinen

Ihr erstes Vorstandsmandat muss nicht – und wird in der Regel auch nicht – Ihre prestigeträchtigste Position sein. Am wichtigsten ist, dass Sie die Aufgaben glaubwürdig erfüllen, das Handwerk erlernen und eine Erfolgsbilanz aufbauen, auf die Personalberatungen und Vorstandsvorsitzende zurückgreifen können.

Zu den aussichtsreichen Einstiegsmöglichkeiten zählen:

Privatunternehmen in der Wachstumsphase

Oft benötigen sie erfahrene externe Vorstandsmitglieder, um die Unternehmensführung zu professionalisieren, die Strategie kritisch zu hinterfragen und ihnen dabei zu helfen, verantwortungsbewusst zu wachsen.

Familienunternehmen

Viele Familienunternehmen verfügen nicht über ausreichend unabhängige Perspektiven im Vorstand und begrüßen erfahrene externe Fachleute, die den Respekt vor dem Unternehmenserbe mit einer realistischen Einschätzung zukünftiger Risiken in Einklang bringen können.

Vorstände von gemeinnützigen und wohltätigen Organisationen

Diese Positionen werden von Personalberatungsunternehmen allgemein als echte Erfahrung im Bereich der Unternehmensführung anerkannt. Zudem verschaffen sie Ihnen Einblicke in komplexe Stakeholder-Umfelder und den Umgang mit begrenzten Ressourcen.

Beiräte

Auch wenn sie hinsichtlich der Treuepflicht weniger formell sind, stellen Beiräte wertvolle Übungsfelder für strategische Aufsicht, das Erkennen von Mustern und die Ausübung von Einfluss ohne Weisungsbefugnis dar.

Auch bei unbezahlten Ämtern sollten Sie darauf achten, dass in Ihrem Ernennungsschreiben die Amtszeit, die Aufgaben im Ausschuss, der Zeitaufwand und der Umfang Ihrer Pflichten genau festgelegt sind. Behandeln Sie jede Ernennung in ein Gremium – unabhängig von dessen Größe, Profil oder Vergütung – mit größter professioneller Ernsthaftigkeit. Dies ist Teil Ihres langfristigen Rufs als Führungskraft.

Was Vorstände derzeit tatsächlich suchen

Über alle Märkte hinweg zeichnen sich mehrere Muster ab. Die Vorstände suchen aktiv nach:

  • Führungskräfte mit Erfahrung in den Bereichen Technologie und digitale Transformation.
  • Führungskräfte mit echter Erfahrung auf internationalen Märkten.
  • Führungskräfte mit Erfahrung im Bereich ESG und Nachhaltigkeits-Governance.
  • Personen mit fundierten Kenntnissen in den Bereichen Finanzrisiken und Kapitalallokation.

Gleichzeitig stehen Vorstände unter dem Druck, die Vielfalt an Denkweisen und Erfahrungen zu erhöhen. Das bedeutet, dass Ihre spezifische Kombination aus Branchenkenntnissen, geografischem Hintergrund und funktionaler Fachkompetenz wichtiger ist als eine allgemeine „beeindruckende Karriere“. Bringen Sie deutlich zum Ausdruck, was Sie mitbringen. Vage Generalisten lassen sich viel schwerer berufen als scharfsinnige, klar positionierte Spezialisten.

Eine nützliche Übung: Notieren Sie sich drei für den Vorstand relevante Probleme, bei deren Lösung Sie aufgrund Ihrer besonderen Qualifikationen besonders gut helfen können. Diese bilden das Rückgrat Ihrer Gespräche.

Das Einzige, was nicht verhandelbar ist

Jede Führungskraft, die diesen Wandel erfolgreich vollzogen hat, sagt in der Regel dasselbe: Eine klare Zielsetzung, die den richtigen Personen über einen längeren Zeitraum hinweg konsequent vermittelt wird, ist unverzichtbar.

Das Streben nach einem Sitz im Vorstand erfordert Konzentration. Eine glaubwürdige Ernennung zum nicht geschäftsführenden Vorstandsmitglied „fällt“ einem nicht einfach so zu. Man arbeitet Schritt für Schritt darauf hin, indem man sein Wertversprechen, seine Qualifikationen im Bereich der Unternehmensführung und sein Netzwerk auf die Art von Vorständen abstimmt, in denen man mitwirken möchte.

Ihre Erfahrung ist Ihr Kapital. Hier finden Sie den Leitfaden. Der nächste Schritt liegt bei Ihnen.

Wenn Sie derzeit Ihre erste Vorstandsfunktion in Betracht ziehen oder sich in der Anfangsphase Ihrer Tätigkeit als unabhängiges Vorstandsmitglied befinden, sollten Sie in Erwägung ziehen, Kontakt zu einem WiseForce-Berater aufzunehmen. Unsere Berater haben diesen Übergang selbst durchlaufen und sind heute in Vorständen sowohl im gewinnorientierten als auch im gemeinnützigen Sektor in Deutschland tätig, sodass sie sowohl aus eigener Erfahrung als auch mit praktischer Beratung zur Seite stehen können.

 

Über WiseForce Advisors

WFA setzt neue Maßstäbe in der strategischen Übergangsberatung auf Augenhöhe für Führungskräfte der obersten Ebene, indem es die Lücke zwischen praktischer Führungserfahrung und diskreter strategischer Beratung schließt. Der einzigartige Ansatz des Unternehmens stützt sich auf ein Netzwerk ehemaliger Führungskräfte der obersten Ebene, die diese komplexen Übergänge selbst gemeistert haben. WFA ist der Partner der Wahl für Führungskräfte, die ihr nächstes Kapitel strategisch gestalten möchten. https://wiseforceadvisors.com/

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